Workshoptime - noch schnell was lernen bevor die Hochzeiten starten

Ab nach … äähh Pfungstadt! Wohin?!

Olli, Nadine, Jan, Nicole, Kate und Sergej

Anfang des Monats hieß es für mich ab nach Frankfurt, naja eigentlich ab nach Pfungstadt kurz hinterm AdW. Auf dem Plan stand knapp 36 Stunden mit einem Haufen Verrückter zu verbringen und über Fotografie zu sprechen. Man könnte es Workshop nennen – angefühlt hat es sich aber eher nach einem Treffen mit guten Freunden die sich lange nicht mehr gesehen haben. Mit von der Partie waren die tierliebe aber müde Kate, unser Sonnenschein Nicole, Jan die Raubkatze, Sergej the host und die Organisatorin des Spektakels, die wundervolle Nadine. Jeder für sich ein beeindruckender Fotograf, wie ich aber herausfinden durfte, noch viel tollere Menschen.

Nach dem gemeinsamen Frühstück ging es rüber ins Wohnzimmer und zack waren wir schon mitten in der Vorstellung - im Vortrag - in der Diskussion.

Einmal die Buchse runter bitte

Als es losging wurde aus dem munteren Geplapper ein durch Sergej geleitetes super entspanntes Gespräch. Wir haben über Ängste und Angst im Allgemeinen gesprochen, über inspirierende Leute wie Vivian Maier, Anton Corbijn, Anders Petersen, James Nachtwey oder Caspar David Friedrich und haben uns natürlich der Gruppe etwas ausführlicher vorgestellt. Das war der Moment wo klar wurde, dass die Gruppe das Potenzial hat über alles offen und ehrlich sprechen zu können.

„Ich täusche einfach Magen-Darm vor!“

Dann ging es weiter im Programm, bis auf einmal vollkommen unangekündigt der Satz kam „Morgen werden wir ein Paar fotografieren und ich möchte, dass jeder von euch ein Foto macht, dass er bislang so noch nicht gemacht hat!“ BOOM – diese Bombe kam ohne Vorwarnung! Ein Blick in die Runde und allen war anzusehen, dass sich ihre Gedanken nur noch darum kreisten „Shit! Was mache ich morgen bloß für ein Foto?“. Challenge accepted?! Ähh, klaro.

Bevor wir am nächsten Tag aber an diese Aufgabe durften, entschied das Los darüber mit welchem Partner wir ein „Selbstportrait“ schießen. Die drei Paare die dabei entstanden sind würde ich mal bezeichnen als

  1. Die Nikongirls – Nicki und Nadine
  2. Die Macher – Jan und Sergej
  3. Die Asia-Connection – Kate und Olli

Aufgabe: Überlege dir den Aufbau, den Ausdruck und die Aussage deines Selbstportraits und drücke deinem lebenden Stativ (deinem Partner) die eingestellte Kamera in die Hand und los geht’s. Danach wurden die Bilder dann besprochen.

 

Botox-Boy is in da house

Als die Portraits besprochen wurden, waren wir spätestens an dem Punkt, dass wir alle unsere Gedanken frei aussprechen konnten. Es war einfach eine freundschaftliche Atmosphäre – einfach wohlwollend und wenn Kritik geäußert wurde, dann absolut freundlich und auf Augenhöhe.

Da man mit Bildern von sich selbst meist strenger ist als mit allem anderen – war mein Gedanke zu meinem Portrait „Oh, ich sollte an der Stirn dringend mal über Botox nachdenken“ J. Die Gedanken der anderen waren da schon etwas tiefgreifender als meine und es hat mich einfach umgehauen wie viel das Bild anscheinend über mich verraten hat. Fast alles was interpretiert wurde in der Runde war richtig. Wer bis hierhin gelesen hat darf mir gerne schreiben was er in dem Bild sieht – wer richtig liegt, bekommt vielleicht etwas geschenkt – wer weiß :-).

Nach der Portraitbesprechung waren alle ziemlich geflashed – es ging nämlich nicht nur mir so, dass so vieles über einen gesagt wurde was richtig war. Solltest du lieber Leser einer dieser oben benannten Chaoten sein – vielen Dank schon einmal an dieser Stelle.

Sag mir welches Eis du isst und ich sage dir wer du bist

Wer es nicht weiß, früher habe ich mir mein Geld in einer Eisdiele verdient und habe da herausragende Menschenkenntnis erlangt. Wenn ich eine Person sehe und einschätzen kann, kann ich auch sagen welches Eis sie isst.  Abends haben wir das direkt ausprobiert und siehe da … kein einziger Treffer. War wohl nix mit der herausragenden Menschenkenntnis.

Warum liegt hier denn Stroh?

Was soll ich sagen? Ein Treffen mit Freunden ist wie ein stundenlanges Telefonat bei dem man vom einen zum nächsten Thema kommt und am Ende nicht weiß worüber man gesprochen hat. Wir haben bis spät in die Nacht Bier und Gin getrunken, es wurde gesungen und vor allem geredet und geholfen.

Aus Botox-Boy wird ...

Sonntag wurde dann geshootet mit dem vermutlich süßesten Paar der Welt. Während einer fotografierte haben die anderen nachgedacht was sie jetzt machen, haben getanzt oder haben mich fotografiert. Eigentlich wollten wir reihum gehen und uns gegenseitig fotografieren, dazu ist es aber leider nicht mehr gekommen. Ich stehe also noch in der Schuld von einigen. Ich persönlich kann aber sagen, dass ich ziemlich unterschiedliche Portraits von mir erhalten habe.

Was habe ich denn jetzt eigentlich mitgenommen?

Als erstes habe ich gelernt, dass man als Fotograf auf seinem Portrait keine Kamera bei sich haben muss. Danke - das habt ihr mir ziemlich schonend beigebracht :-)

Mir wurde keine neue Technik beigebracht, es wurden keine Knöpfe an meiner Kamera erklärt und Doppelbelichtungen verstehe ich bis heute nicht. Mitgenommen habe ich aber, dass man sich doch mal mehr zutrauen darf als man denkt, dass Regeln fucking noch mal gebrochen werden dürfen und dass man sich viel mehr mit sich selbst und seinem Weg  beschäftigen sollte als mit dem ganzen drumherum. Der wichtigste Punkt ist allerdings, dass ich einfach inspiriert wurde von diesem Hühnerhaufen. Ich bin energiegeladen nach Hause gefahren (na gut und blöderweise auch geblitzt worden) und die Zeit mit meinen neuen Freunden hat mich gelehrt mutiger zu sein, mehr auszuprobieren und weiter den Weg zu gehen um herauszufinden wer dieser Olli eigentlich ist. Danke für eure Inspiration - danke für den Hangout.